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"Wer Gelegenheit hatte, durch die Katakomben nicht nur im Strom der Besucher und Betrachter hindurchgeführt, sondern in eine lebendigere Beziehung zu ihnen gestellt zu werden, der wird ein solches Erlebnis zu den Kostbarkeiten seiner Erinnerung rechnen." (Werner Bergengruen) | |
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Als Begräbnisstätte der Christen - in den Anfangszeiten auch oft noch gemeinsam mit Nichtchristen, insbesondere Juden - lagen die Katakomben außerhalb der antiken Stadt, denn es war gesetzlich verboten, Tote innerhalb der Stadtmauern zu beerdigen. Entgegen dem römischen Brauch, die Toten zu verbrennen und nur die Asche beizusetzen, sollte hier für die Leiber der frühen Christen eine würdige Begräbnisstätte geschaffen werden - und zwar für alle Mitglieder der Christengemeinde unabhängig von Rang oder Vermögen. Im Laufe der Zeit wurden in der Umgebung Roms rund 60 Katakomben mit mehreren hundert Kilometern Gängen angelegt, einige davon sind (ganz oder zumindest teilweise) bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben, wieder ausgegraben und archäologisch erforscht. Der Vatikan hat hierfür eine eigene Organisation, die "Päpstliche Komission für die sakrale Archäologie". Fünf römische Katakomben sind heute der Öffentlichkeit zugänglich und werden häufig von Pilgern, die in der Ewigen Stadt verweilen, besucht: |
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die des heiligen Calixtus die des heiligen Sebastian die der heiligen Domitilla die der heiligen Priscilla die der heiligen Agnes | |
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Die Katakomben sind ein unterirdisches System von Gängen, oftmals mehrere Kilometer lang, die an ein Labyrinth erinnern und immer wieder Abzweigungen aufweisen, welche manchmal selbst wieder mehrere Abzweigungen aufweisen, oder auch nach einigen Schritten - quasi als Sackgasse - enden. Sie sind in das relativ weiche Tuff-Gestein geschlagen. In die Wände der Gänge wurden Reihen von Nischen gegraben, Loculi genannt. Die Größe ist unterschiedlich, meistens sind sie für eine Person vorgesehen gewesen, manchmal handelt es sich aber auch um "Familiengräber". |
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Das Begräbnis der frühen Christen war - abgesehen von der Anlage der Katakomben selbst - einfach und wenig aufwendig: Nach dem Beispiel Christi wurden die Toten in ein Leichentuch gehüllt und ohne Sarg in den Loculi beigesetzt, die Öffnung mit Ziegeln zugemauert oder mit einer Marmorplatte verschlossen. Zur Kennzeichnung erhielt die Mauer oder Platte oftmals eine Inschrift mit dem Namen des Verstorbenen, vielfach zusätzlich noch ein christliches Symbol. Zum Teil wurden neben den Gräbern Öllämpchen oder kleine Gefäße für Parfüm mit in die Wand eingelassen. |
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Wenn die Gräber nicht in die Gangreihen geschlagen wurden, sondern größere Höhlenräume angelegt wurden, vermitteln die dort sichtbaren zahlreichen Gräber wegen ihrer Anordnung in Reihen übereinander den Eindruck eines weiten Schlafraumes, Coemeterium genannt; ein Begriff mit griechischer Wortwurzel, welcher Ruhestätte bedeutet. Auf diese Art und Weise sollte der Glaube der Christen an die leibhaftige Auferstehung unterstrichen werden. |
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"Das Hinuntersteigen in die kilometerlangen Gänge im weichen braunen Tuffgestein ist für mich immer wie ein Hinuntersteigen in den Wurzelraum unseres christlichen Glaubens. (...) In den Katakomben stellt sich mir die Frage: Was mag die Menschen damals bewogen haben, sich von den römischen Gottheiten, dem Kaiserkult in seiner größten Macht- und Prachtentfaltung abzuwenden und sich unter Gefahr für Leib und Leben als Christ zu bekennen? | |
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Was mag sie so fasziniert haben an der Botschaft des Jesus von Nazaret und seiner Apostel, dass sie sich nicht mehr vom Marmor und Gold der römischen Tempel blenden ließen? Dass sie lieber in der Arena einen grausamen Tod erlitten, als vor dem Standbild des Kaisers auch nur ein Körnchen Weihrauch opfern zu wollen? Vielleicht haben sie gespürt, dass dieser Jesus mit seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung die Menschen befreit, dass er uns aus Sklaven zu freien Menschen macht. In dieser neugefundenen Freiheit gab es für sie keine irdische Macht mehr, die sie von neuen hätte versklaven können." (Dr. Joachim Dauer) |
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"Als ausdrucksvolles Zeugnis des christlichen Lebens der ersten Jahrhunderte sind die Katakomben eine immerwährende Schule des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. In den unterirdischen Gängen herrscht eine eindrucksvolle und ergreifende Atmosphäre. Der Blick verweilt auf langen Reihen unzähliger Grabstätten und der Einfachheit, die sie alle verbindet. Die Gräber sind mit den Vornamen der Verstorbenen beschriftet. Beim Lesen dieser Namen meint man, ebenso viele Stimmen zu hören, die auf einen eschatologischen Ruf antworten, und wir werden an die Worte des Laktanz erinnert: »Unter uns gibt es weder Diener noch Herren; nur weil wir alle gleich sind, können wir uns Brüder nennen« (vgl. Divinae Institutiones, 5, 15). Die Katakomben sprechen von der Solidarität der Brüder im Glauben: die Spenden eines jeden ermöglichten die Bestattung aller Verstorbenen, auch der ärmsten, die die Mittel für den Kauf und das Herrichten des Grabmals nicht aufbringen konnten. Diese kollektive Barmherzigkeit gehörte zu den Stärken der frühchristlichen Gemeinden und schützte sie gegen die Versuchung, zu den alten Religionsformen zurückzukehren. | |
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Die Katakomben vermitteln somit dem Pilger dieses untrennbar mit Glaube und Hoffnung verbundene Gefühl der Solidarität. Schon der Begriff »coemeterium« - Ruhestätte - sagt aus, daß die Katakomben als regelrechte Ruhestätten der Gemeinschaft galten, wo alle christlichen Brüder, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihres Berufes, in solidarischer Einheit ruhten und die endgültige Auferstehung erwarteten. Aus diesem Grund waren die Katakomben durchaus keine traurigen Orte, sondern mit Fresken, Mosaiken und Skulpturen ausgeschmückt, um das Labyrinth dunkler Gänge zu beleben und durch die Darstellung von Blumen, Vögeln und Bäumen das am Ende aller Zeiten erwartete Paradies zu versinnbildlichen. | |
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Die auf den Gräbern der Christen häufig erscheinenden bedeutsamen Worte: »in Frieden« sind ein klares Zeugnis all ihrer Hoffnung. Auch die Symbole auf den zur Abdeckung der Gräber verwendeten Platten sind einfach, aber durchaus nicht ohne Bedeutung. Der Anker, das Schiff und der Fisch sind Ausdruck der Stärke des Glaubens an Christus. |
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Das christliche Leben wird als ein Durchqueren der stürmischen See gesehen, das in dem ersehnten Hafen der Ewigkeit endet. Der Fisch ist gleichbedeutend mit Christus und symbolisiert das Sakrament der Taufe, wie Tertullian schreibt, der die Gläubigen mit »pisciculi« vergleicht, die durch ihre Geburt und ihr Dasein im Wasser das Heil erlangen (vgl. De baptismo, 1, 3). |
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In den Katakomben befinden sich auch die Gräber der ersten Märtyrer, der Zeugen eines klaren und festen Glaubens, der ihnen als »Streiter Gottes« erlaubte, die schwerste Prüfung siegreich, zu bestehen. Viele Märtyrergräber befinden sich noch in den Katakomben, und Generationen von Gläubigen haben vor ihnen im Gebet verweilt. | |
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Auch die Pilger des Jubi1äumsjahres 2000 werden die Gräber dieser Märtyrer besuchen und, zu den alten Verteidigern des Glaubens betend, sich in Gedanken den »neuen Märtyrern« zuwenden, jenen Christen, die in jüngster Vergangenheit oder auch in der heutigen Zeit Gewalttätigkeiten, Übergriffen und Verständnislosigkeit ausgesetzt sind, weil sie Christus und seinem Evangelium treu bleiben wollen. In der Stille der Katakomben kann der Pilger des Jahres 2000 seine religiöse Identität wiederfinden oder wiederbeleben, indem er eine Art geistigen Weg geht, der ihn, von den ersten Zeugnissen des Glaubens ausgehend, zu den Beweggründen und Anforderungen der neuen Evangelisierung führt." (Papst Johannes Paul II., 1998) |
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