Die heutige Kirche Santa Maria Maggiore  -eine der vier Patriarchalbasiliken Roms -  wurde unter Papst Sixtus III. errichtet, nachdem 431 das Konzil von Ephesus Maria, die Mutter Jesu, als Gottesgebärerin verkündet hatte und dadurch die Marienverehrung aufgeblüht war.
"(...) und halten dann die gerade Straße ein, die von dort direkt nach Maria Maggiore, der letzten Stationskirche, führt. Die gewaltige, weltberühmte Basilika, basilica liberiana genannt, eine der größten und herrlichsten Kirchen Roms, noch prächtiger als Johann im Lateran und kaum St. Paul vor dem Tore nachstehend, hat eine außerordentlich vorteilhafte Lage. (...) Doch ist auch noch eine prächtige Marmorsäule mit dem vergoldeten Bild der Himmelskönigin auf dem reichen Kapitell interessant, die auf dem freien Platz vor der Kirche aufgerichtet ist. Die Säule (...) soll aus der Basilika des Constantin herrühren, deren kolossale Trümmer am Forum Romanum noch jetzt die besondere Aufmerksamkeit jedes Beschauers in Anspruch nehmen, und das einzige Exemplar sein, was aus jener alten Herrlichkeit ist gerettet worden."

(Adolph Kolping in den "Rheinischen Volksblättern", 1863)
Es bestand bereits ein "Basilica Liberiana" genannter Vorgängerbau, zu deren Errichtung folgende Legende erzählt wird:

Papst Liberius (sein Pontifikat dauerte von 352 bis 366) und einem römischen Kaufmann sei in der Nacht auf den 5. August 352 im Traum die Jungfrau Maria erschienen. Sie habe darum gebeten, dass dort ihr zu Ehren eine Kirche errichtet werden solle, wo am nächsten Morgen Schnee liegen würde. Tatsächlich fand sich am nächsten Morgen (Anfang August!) auf dem Hügel des Esquilin Schnee, und Papst Liberius errichtete dort ein Gotteshaus.

Daher wird die Basilika bis heute auch Santa Maria ad Nives (Maria Schnee) genannt.
Fassade von St. Maria Maggiore
(Foto: GSt)
Dr. Karl Braun, em. Erzbischof von Bamberg, schreibt über diese Kirche:
"Schon bei meinem ersten Aufenthalt in der Ewigen Stadt im Heiligen Jahr 1950 faszinierte mich die Basilika "Santa Maria Maggiore". Meine Pilgergruppe besuchte die Kirche an einem Sommertag gegen Mittag, als die Sonnenstrahlen die Fassade erreichten und die Mosaiken in der Loggia golden und vielfarbig aufflammen ließen. Dieser Anblick war für mich wie ein Präludium des großartigen Erlebnisses, das mir das Innere der Kirche schenkte."
"Das Innere ist vielleicht der schönste und feierlichste Kirchenraum in Rom: 86 m lang, dreischiffig, mit 35 Marmor- und vier Granitsäulen, mit Mosaiken aus dem 4. / 5. Jahrhundert an der Hochwand, einem Kosmatenfußboden aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und Kassetten an der Decke. Den von einem Baldachin überspannten Hochaltar schmückt das Gnadenbild der Madonna, der Legende nach ein Werk des Evangelisten Lukas, tatsächlich jedoch aus dem 13. Jahrhundert. Die Confessio birgt eine Vitrine mit Reliquien, die von der Krippe in Betlehem stammen sollen. Noch eine Steigerung erfährt der Schmuck der Kirche in den Mosaiken am Triumphbogen und in der Aspis." (Baedecker)
Die Decke ist im 16. Jahrhundert mit dem ersten Gold aus Amerika vergoldet worden. Ein frühchristliches Baptisterium zeigt noch Stufen, da zur Zeit seiner Erbauung noch die Taufe durch Untertauchen praktiziert wurde. Im Giebel der Fassade strahlt ein Fenster mit einer modernen Mariendarstellung.

Und in dieser Kirche, die voll von Touristen ist, wird auch Eucharistie gefeiert, in einer Seitenkapelle unmittelbar hintereinander in Deutsch und Italienisch. Die Beichtstühle sind besetzt und Tafeln zeigen an, welcher Sprachen die jeweiligen Priester mächtig sind. Vor allem ältere Leute sitzen vor den Beichtstühlen und warten, bis sie an der Reihe sind.
"Gewiss war es zunächst das Modell einer typisch frühchristlichen Basilika, das man hinter der barocken Prachtfülle erahnen kann, und vieles andere mehr. Was mich aber in der festlichen Einfachheit des Kirchenraumes besonders anzog und heute immer noch fesselt, ist die Cappella Borghese. Zunächst interessierte mich diese Kapelle mit dem Gnadenbild "Salus Populi Romani" (Maria, Heil des römischen Volkes). (...) Die tiefsten Beweggründe dafür, dass diese Kapelle mein Lieblingsort in Rom ist (...) reichen aber auch hinein in den "genius loci" der Kirche "Groß Sankt Marien". Eingebettet in das christliche Altertum, dessen Fluidum trotz aller späteren Umgestaltungen und Zutaten des Bauwerks verspürbar ist, gehört sie mit ihrer Geschichte und Gestalt "in das Schatzhaus meiner römischen Erinnerungen" (Werner Bergengruen)."
(Dr. Karl Braun, em. Erzbischof von Bamberg)
Das Mosaik der Apsis zeigt "in ihrer Mitte in kreisförmiger, mit weißen Sternen belegter Einfassung goldener Doppelthron vor gestirntem Himmel: Marienkrönung. Christus sitzt rechts, mit der Sonne unter seinen Füßen, Maria links, mit dem Mond unter den Füßen. (...) Beiderseits der Mittelgruppe, außerhalb der Einfassung, zweimal neun anbetende Engel."
In der ganzen Pracht des Gotteshauses erinnert eine besondere Reliquie, schlichtes Holz der Krippe von Betlehem (so die jahrhundertealte Überlieferung), an die Menschwerdung des Sohnes Gottes am Beginn unserer Zeitrechnung. Das in Stein, Marmor und Gold gefasste Glaubensbekenntnis verweist darauf, dass das Wort Gottes ein Mensch, einer von uns geworden ist.
"(...) Von dieser Krippe des Heilandes, welche der Erbauer der Kirche im vierten Jahrhundert bereits besessen hat und sie der neuen Kirche anvertraute, sind noch einige Brettchen übrig, die jetzt in einem kostbaren Behälter aus Kristall mit Silberbeschlag, auf dem oben das Jesuskinde ruht, eingeschlossen sind. An der Echtheit der Reliquie hat das christliche Altertum nie gezweifelt, warum sollten wir uns den guten Glauben daran auch nur trüben lassen? Ja doch, an solchen armen, aber unschätzbaren Überresten erhebt sich das gläubige Herz ganz anders, empfindet tiefer und nachhaltiger wieder jene Wahrheit vom menschgewordenen Sohn Gottes, im Stalle zu Bethlehem geboren (...)"

(Adolph Kolping in den "Rheinischen Volksblättern", 1863)
Die Katakomben (allgemein)