"Die prächtigste Lage von allen Kirchen Roms hat unstreitig die alte ehrwürdige Basilika St. Johann vom Lateran, zu der wir (...) heute eine Wallfahrt unternehmen wollen. (...) und gerade diese Stätte war es, wo der siegreiche Konstantin sich als Kaiser niederließ, nachdem er der Kirche den Frieden gegeben, aber nicht blieb, sondern Palast, Platz und die neugebaute, dem "Welterlöser" gewidmete Kirche dem Papste übergab, damit er dort residiere, und zwar in voller Macht und Freiheit, wo wenige Jahre vorher dem Christentum der Untergang war zugedacht worden. Dieser Umstand allein macht die Kirche zu einem welthistorischen Bau und den Platz, worauf sie steht, so denkwürdig, wie nur einer mag gefunden werden in der Welt."

(Adolph Kolping in den "Rheinischen Volksblättern", 1862)
St. Johannes im Lateran: Fassade
Die Patriarchalbasilika "San Giovanni in Laterano" (Sankt Johannes im Lateran) ist gemäß der Inschrift am Eingang "Haupt und Mutter aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises".

Sie   - und nicht St. Peter im Vatikan -   ist die eigentliche Bischofskirche des Papstes. Bis zum Beginn des Exils im französischen Avignon 1309 residierten die Päpste im Lateranpalast und siedelten erst nach der Rückkehr nach Rom 1377 in den Vatikan über.
Fotos oben und rechts unten: Die Fassade von St. Johannes im Lateran    (Quelle: roma-online.de)
Die Lateranbasilika ist eine der vier Patriarchalkirchen. Die übrigen sind St. Peter im Vatikan, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Außerhalb Roms gibt es nur zwei weitere Patriarchalbasiliken: San Francesco und Santa Maria degli Angeli in Assisi.
Die Lateranbasilika ist auch von seiner Fassade her ein mächtiges und beeindruckendes Gotteshaus. Dennoch steht die Fassade hinter der von St. Peter deutlich zurück.

Entscheidend ist aber die Bedeutung dieses Ortes. Der Weihetag der Lateranbasilika hat im Festkalender der Weltkirche einen festen Platz. Hier werden über dem Papstaltar die Häupter der Apostel Petrus und Paulus gezeigt. 1370 übertrug Papst Urban V. die Apostelhäupter in das von ihm gestiftete Ciborium über dem Hauptaltar. An diesem Altar sollen bereits die ersten Bischöfe von Rom die heilige Messe gefeiert haben. Zwischen 1123 und 1512 fanden hier fünf Konzilien statt.
St. Johannes im Lateran: Fassade
Der Lateran war auch der Ort, an dem Franz von Assisi mit seinen elf Gefährten im Jahre 1210 Papst Innozenz III. traf, um sich von diesem die Regel seiner neuen Gemeinschaft bestätigen zu lassen. Wer in Assisi den Spuren des „kleinen Bruders Franziskus" (so die Selbstbezeichnung) in der Schlichtheit und Demut von Kirchen wie San Damiano oder Rivotorto gefolgt ist, mag vielleicht erahnen, welche Bedeutung die Begegnung dieser zwei so unterschiedlichen Männer hat.
St. Johannes im Lateran: Fassade
Dass es überhaupt möglich war, eine Brücke zu schlagen zwischen dem damals mächtigsten Mann der Welt und dem Poverello aus Assisi, dass Innozenz III. aus einer Eingebung heraus die der Praxis der damaligen Kirche so sehr widersprechende Regel des Franziskus bestätigt hat, lässt etwas davon erahnen, dass in der so wechselvollen Geschichte der Kirche mit ihren Höhen und Tiefen, ihren Licht- und Schattenseiten immer auch der Geist Gottes am Werk ist und diese seine Kirche auf dem Weg ihrer Bestimmung führt. Erneuerungsbewegungen in der Kirche, mögen es die Franziskaner im 13. Jahrhundert oder die sozialen Bewegungen des 19. Jahrhunderts sein (dazu gehört auch das Kolpingwerk!), sind häufig von den einfachen Gläubigen ausgegangen, die ihre Gott- und Weltverbundenheit in der Kirche verwurzelt haben.
An die Reise des Franziskus nach Rom erinnert ein Denkmal gegenüber der Hauptfassade auf der anderen Straßenseite.   (Foto: GSt)
"Wir werden in Rom noch das Denkmal sehen, das dem Sänger des Sonnengesanges und Träger einer der tiefstgehenden kirchlichen Erneuerungsbewegungen aller Zeiten vor der Lateranbasilika gesetzt ist. Der große Innozenz III. sah im Traum ihre Mauern wanken und von Sankt Franziskus gestützt. Und diese Rolle des Heiligen und seiner Söhne ist auch heute gewiss noch lange nicht ausgespielt. Die Lauterkeit und Einfalt gemäß dem Geiste des heiligen Evangeliums, die in der großen franziskanischen Ordensfamilie überzeugend fortlebt, sind auch in der Gegenwart noch eine der stärksten Stützen der Kirche Christi, deren Gleichnis und Zeichen die Basilika des Allerheiligsten Erlösers ist, wie die Lateranbasilika auch heißt."

(Gottfried Hasenkamp: "Römische Pilgerwoche. Ein kleines Buch für Romfahrer dieser Zeit",
Münster, 1959)
Auf dem Platz vor der Lateranbasilika erhebt sich  - wie wir auch schon vor Sankt Peter und anderen Kirchen Roms gesehen haben -  ein Obelisk. Dieser hier, mit rund 33 Metern der höchste, den die Ewige Stadt vorzuweisen hat, ist über 3.700 Jahre alt. Zunächst im ägyptischen Theben beheimatet, sollte er nach dem Willen Kaiser Konstantins in dessen neue Hauptstadt Konstantinopel gelangen. Doch da der Kaiser zwischenzeitlich starb, ließ ihn sein Sohn nach Rom in den "Circus Maximus" bringen. Unter der Regentschaft von Papst Sixtus V. wurde er 1587 vor dem Lateran aufgestellt. Den Sockel des gewaltigen Monumentes zieren vier Löwen, die Embleme von Sixtus V., für die Bau- und vor allem Aufrichtungsarbeiten zeichnete der berühmte Architekt Domenico Fontana verantwortlich.
Die Lateranbasilika beeindruckt   - ebenso wie die anderen Patriarchalkirchen Roms -   zuallererst durch ihre Monumentalität. Es ist eine weite, dreischiffige Hallenkirche, etwa 130 Meter lang. Nach oben abgeschlossen wird die Basilika durch eine flache Decke, so dass der Blick nicht nach oben sondern nach vorn, zum Papstaltar gerichtet wird.

Dieser Altar steht im Zentrum der Vierung und zieht den Blick von jeder Stelle der Kirche auf sich. Zentrale Bestimmung eines Gotteshauses ist die Versammlung des Volkes Gottes um den Altar. Auch der Lateran ist kein Museum, sondern eine Kirche. Daran muss man auch selbst gelegentlich erinnert werden.
St. Johannes im Lateran: Hauptschiff
Über dem Papstaltar erhebt sich ein Ziborium, das wertvolle Reliquien birgt: Die Häupter der Apostel Petrus und Paulus.
St. Johannes im Lateran: Apsismosaik
Das Mosaik in der Apsis zeigt zwischen den Fenstern Abbildungen der Apostel. Oben in der Mitte ist das Brustbild Christi zu sehen, beiderseits daneben vier Engel, darüber ein Cherubim. "Darunter auf einem Hügel Gemmenkreuz mit Taube. Im Hügel das Himmlische Jerusalem, vom Hügel fließen die vier Paradiesesflüsse herab und tränken Hirsche und Schafe. Die untere Begrenzung bildet der Jordan mit Barken, Fischen, Schwimmvögeln und spielenden Kindern. Auf dem Landstreifen links Maria, Petrus, Paulus; rechts Johannes der Täufer, Johannes Evangelist, Andres. Zwischen Maria und Petrus (klein) der heil. Franz von Assisi und, knieend, Papst Nikolaus IV., zwischen Johannes dem Täufer und Johannes Evangelist (klein) der hl. Antonius von Padua."
Apsismosaik (Detail)
St. Johannes im Lateran: Apsismosaik
St. Johannes im Lateran: Kreuzgang
Sehenswert ist auch der Kreuzgang (Chiostro) des alt-ehrwürdigen Gotteshauses. Der Eintritt kostet 4.000 Lire (etwas über 2 Euro).
St. Johannes im Lateran: Kreuzgang
In der Mitte des Kreuzgangs blühen farbenprächtige Blumen, umgeben von Rasen und Bäumen, ein Brunnen bildet das Zentrum. Die Säulen sind kunstvoll verziert und keine gleicht der anderen.

(Fotos oben und links: GSt)
Die Heilige Stiege