Giovanni Guareschi: Genosse Don Camillo

Kein "Lesesommer Italien" ohne die erfrischenden Erzählungen des Journalisten und Schriftstellers Giovanni Guareschi, der mit den von ihm geschaffenen Figuren des Dorfpfarrers und einem kommunistischen Bürgermeister, zu Recht berühmt wurde. In mehreren Bänden hat Guareschi die Geschichten um die beiden streitbaren Gemüter in einem Dorf irgendwo in der Po-Ebene veröffentlicht. Der vorliegende Roman "Genosse Don Camillo" führt als letzter Teil der Triologie "Die kleine Welt des Don Camillo" diese Tradition fort.

Allerdings hat Peppone inzwischen politische Karriere gemacht und ist Senator in Rom, wo er zum Beispiel die Aufgabe hat, eine Reisegesellschaft von zehn verdienten Parteimitgliedern auszuwählen, die in die Sowjetunion eingeladen werden. Dort sollen sie die Erfolge und den Fortschritt des Landes (Dank der kommunistischen Partei) kennenlernen. Doch auch Don Camillo erfährt davon, und er beschließt, bei Peppone eine alte Schuld einzufordern.

Und so geschieht es, dass  - sehr zum Unbehagen des Genossen Peppone -  als Mitglied der Reisegesellschaft auch ein gewisser Camillo Tarocci, von Beruf Typograph, mit unterwegs ist. Die "Abenteuer" der beiden langjährigen Weggefährten in den unendlichen Weiten der UdSSR, aber mehr noch in den Seelen der Menschen, sind sehr lesenswert. Denn Guareschis Erzählungen sind immer mehr als einfach nur Geschichten, sie reizen zum lachen oder schmunzeln, sie haben aber vor allem eine  - manchmal vielleicht verborgene -  Weisheit. Vor allem aber steht bei Guareschis "Helden" Don Camillo und Peppone nie die Sache im Vordergrund, sondern  - wenn auch nicht immer sofort erkennbar -  immer der Mensch. Und so verschieden ihre Auffassungen über den Weg sind, so oft stimmen sie doch im Ziel überein.

<Verfasser: blackman>
 
Andrea Camilleri:  Der Hund aus Terracotta. Commissario Montalbano löst ein Rätsel

Commissario Montalbano klärt einen Mord auf, der vor 50 Jahren begangen wurde.

Ausgerechnet dem als unbestechlich bekannten Commissario Montalbano will sich Mafiaboss Tano u Grecu stellen. Bei einem geheimen Treffen erfährt Montalbano von einer versteckten Höhle, die als Lagerplatz für Diebesgut verwendet wird. Aber bei genauerer Inspektion entdeckt er auch die Leichen eines jungen Liebespaares, das vor 50 Jahren offensichtlich nach einem Ritual ermordet wurde. Montalbano begibt sich auf die längst erkaltete Spur dieses ominösen Verbrechens. - Wie in seinem ersten Fall ("Die Form des Wassers") deckt der sympathische und ziemlich eigenwillige Commissario Tatsachen auf, die seine Beliebtheit wenig fördern. Der Leser jedoch genießt die Ausflüge in sizilianische Machenschaften und in die Küche des Gourmets Montalbano.  -  Hervorragende Krimikunst und spannende Unterhaltung für Leser in allen Büchereien.

Der Hund aus Terracotta. Commissario Montalbano löst ein Rätsel
Verfasserangaben: Andrea Camilleri
Impressum: Bergisch Gladbach, Lübbe, 1999 Umfang: 351 S.
ISBN: 3-7857-1510-2
(Buchbesprechung mit freundlicher Genehmigung des Borromäusvereins, Bonn; www.borro.de)
 
Maeve Binchy:  Die irische Signora

Nach jahrelangem Aufenthalt auf Sizilien kehrt eine Irin wieder nach Dublin zurück.

Was kann ein junges Mädchen alles erleben, das dem Geliebten, von dem sie weiß, daß er sie nie heiraten wird, von Irland nach Sizilien folgt? So geschieht es Nora, die in Sizilien Fuß faßt und ein bescheidenes Leben führt und den Kindern ihres geliebten Mario mit Gabriella Freundin und Beraterin wird. Als Mario nach 22 Jahren stirbt, faßt sie den Entschluß, nach Irland zurückzukehren und ihr Leben neu zu gestalten. Als Italienisch - Lehrerin wagt sie einen neuen Anfang. Für alle, die ihr dabei begegnen, wird sie die "Signora", die immer Hilfe und Rat weiß. Eine Reise nach Rom wird ein Höhepunkt im Leben aller Beteiligten.  -  Ein Roman voller Überraschungen, faszinierender Situationsschilderungen und Menschlichkeit. Wenn auch die "Signora" die dominierende Rolle spielt, so ist doch jede einzelne Person der Handlung wichtig und brillant gezeichnet. -
Die bekannte Autorin hat wieder beste Unterhaltung für viele Leser geliefert.

Die irische Signora
Verfasserangaben: Maeve Binchy
Impressum: München, Droemer Knaur, 1997 Umfang: 539 S.
ISBN: 3-426-19401-5

(
Buchbesprechung mit freundlicher Genehmigung des Borromäusvereins, Bonn; www.borro.de)
 
H. S. Laube:  Der Falke. Ein Roman aus der Stauferzeit

Leben eines deutschen Ritters aus dem Gefolge Kaiser Friedrich II.

Als Rupert von Bolkenhayn, einer der treuesten Gefolgsleute Friedrich II., sich auf einem der Heerzüge des Kaisers in der Stadt Coccorone in die schöne Giulia verliebt, tritt er vorübergehend aus dem Dienst des Kaisers aus, bleibt bei dem Mädchen und gründet eine Familie. Während Rupert ein letztes Mal mit dem Kaiser in den Kampf zieht, bricht Coccorone mit Friedrich. Das anschließende Strafgericht eines kaisertreuen Herzogs an der Stadt ist fürchterlich und Rupert erfährt mit Schrecken, daß Giulia und einer seiner Söhne in den Wirren des Aufstands ermordet wurden. So hält ihn nun nichts mehr in Italien und er kehrt mit seinem zweiten Sohn auf den Familienstammsitz nach Deutschland zurück. -
Ein fesselnder historischer Roman (mit ausführlicher Zeittafel und Karten) über eine spannungsgeladene Zeit. Leider erschwert trotz großer Schrifttype der zu enge Zeilenabstand die Lesbarkeit. Dennoch aufgrund des zuverlässigen Zeitbildes für viele Büchereien gut geeignet.

Der Falke. Ein Roman aus der Stauferzeit
Verfasserangaben: H. S. Laube
Impressum: München, Schneekluth, 1997
Umfang: 477 S. : Kt. ISBN: 3-7951-1550-7
(Buchbesprechung mit freundlicher Genehmigung des Borromäusvereins, Bonn; www.borro.de)
 
Donna Leon:  Nobiltà. Commissario Brunettis siebter Fall

Als die Leiche eines entführten Mannes auftaucht, muss Brunetti in der höheren venezianischen Gesellschaft ermitteln.

Die Nachforschungen zu Entführung und Mord des Sohnes einer angesehenen venezianischen Adelsfamilie führen Commissario Brunetti in das Dickicht hochgesellschaftlicher Borniertheit, wirtschaftlicher Macht und illegaler Geschäftemacherei, die letztlich in einer Familientragödie enden. Nur durch hartnäckiges Nachsetzen findet Brunetti schließlich des Rätsels Lösung. Wie auch schon in den vorangegangenen sechs Fällen sind nebenher für den Commissario einige familiäre (Konflikt)Situationen zu meistern. Dieses Weiterentwickeln der Charaktere und die in jedem Buch neu gemachte Liebeserklärung an Venedig sind es wohl zum großen Teil, was die Fangemeinde Donna Leons immer wieder zum Lesen ihrer Krimis animiert. - Für alle Büchereien.

Nobiltà. Commissario Brunettis siebter Fall
Verfasserangaben: Donna Leon
Impressum: Zürich, Diogenes, 1999 Umfang: 300 S.
ISBN: 3-257-06219-2

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Buchbesprechung mit freundlicher Genehmigung des Borromäusvereins, Bonn; www.borro.de)
 
Ross King:  Das Wunder von Florenz

Architektur und Intrige: Wie die schönste Kuppel der Welt entstand.

Mit der Kathedrale von Florenz wollten die Medici den Reichtum und die Pracht ihrer Stadt verewigen. Doch ein Jahrhundert nach der Grundsteinlegung für die neue Kathedrale wusste immer noch niemand, wie man die Kuppel mit dem riesigen Durchmesser von 40 Metern bauen sollte. Man hatte noch nicht einmal eine Idee, wie man so ein Vorhaben umsetzen sollte. Zu diesem Zeitpunkt schrieben die Bauherrn 1418 einen Wettbewerb aus. Es wurden 200 Florentinen ausgeschrieben, die derjenige erhalten sollte, dessen Modell ausgewählt wird. Der Wettbewerb erregte grosse Aufmerksamkeit in der gesamten Toskana und natürlich in Florenz, deren Einwohner schon über 100 Jahre den Bau der Kathedrale beobachteten.

Filippo Brunelleschi, ein Goldschmied und Außenseiter, gewann mit einem revolutionären Modell. Ohne Stützpfeiler und Hilfsgerüste wollte er den Bau der Kuppel umsetzen. Viele seiner Zeitgenossen erklärten ihn zum Phantasten. Er mußte einiges an Überzeugungsarbeit leisten, bis die Bauherren und Florentiner Vertrauen zu seinem Plan fassten. Mehrere Erfindungen von Brunelleschi waren während der Bauzeit nötig, um den Plan umzusetzen. So erfand er einen neuartigen Lastenaufzug, mit dem die schweren Träger aus Marmor und Sandstein auf die cupola gehoben, und einen seitlich schwenkbaren Kran, mit dem sie positioniert werden konnten.

Doch nicht immer war Brunelleschi so erfolgreich. Seine Erfindung, ein Schiff, welches die Mamorblöcke auf dem Arno nach Florenz transportieren sollte, kenterte, im Gemäuer des Doms traten Risse auf und unter den Arbeitern kam es zu Unruhen. Er musste auch militärische Aufträge ausführen, die ihm misslangen. Der geheimniskrämerische Brunelleschi war in der Kritik und das Vetrauen sank.

Doch als die Kuppel dann nach nur 18 Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde, mussten auch seine Kritiker einsehen, dass sein Plan richtig war. Und die Kuppel ist ein wirkliches Wunder, denn sie ist noch heute die größte gemauerte Kuppel der Welt.

Ross King, der Autor, hat sehr gut recherchiert und die Geschichte des Kuppelbaus Schritt für Schritt aufgeschrieben. Ein unheimlich spannendes Buch, das sich wie ein Roman liest. Absolut empfehlenswert!

(
Buchbesprechung: Doreen, 30.06.2001)

Titel: Das Wunder von Florenz
Autor: Ross King
200 Seiten, gebunden (2001)
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
ISBN: 3-8135-0160-4
Preis: 16.36 EUR (32.00 DM)
 
Dino Buzzati:  Das Geheimnis des Alten Waldes

Als der so gestrenge Oberst Procolo seinen Abschied vom Militär nahm, freuten sich alle Soldaten. Der Oberst hatte zusammen mit einem zwölfjährigen Neffen von seinem Onkel ein großes Waldgebiet und das Haus geerbt. Der Junge war in einem Internat in der Nähe, aber der Oberst neidete ihm seinen künftigen Beistz und versuchte sogar, ihm nach dem Leben zu trachten. Auch die Elster, die mit lauten Rufen jeden Besucher in dieser Waldeinsamkeit meldete, erschoss er eines Tages; dennoch konnte er die Sprache der Vögel verstehen. Es gelang ihm auch, einen gefürchteten Wind zu zähmen, so dass er ihm zu Diensten sein musste, und er konnte die Baumgeister einander reden hören. Aber dem Wind gelang es nicht, den jungen Neffen zu töten; es gelang auch nicht, ihn allein im Wald auszusetzen. Doch über diesen Vorsatz war der Schatten des Obersten so empört, dass er ihn verließ, bis zu dem Tag, als er versuchte, seinen Neffen aus dem Schnee zu retten,und selbst starb. Da kamen alle Tiere des Waldes und der Wind und trauerten um ihn. Er starb wie ein großer Herr.

Die Geschichte handelt von der Magie der Natur und der Gabe des Menschen, sich mit ihr zu verbünden oder ihr feindlich und unverständig gegenüber zu stehen. Alte Motive wie das des Schattens und der Glaube, dass Bäume eine eigene Seele besitzen, werden in dieser für ältere wie für jüngere Leser fast wie ein Märchen zu lesenden Roman aufgenommen und anmutig dargestellt. Er zeigt eine völlig neue Seite seines Autors.

Das Geheimnis des Alten Waldes
Verfasser: Dino Buzzati
Stuttgart, Weitbrecht, 1997
ISBN 3-522-71955-7
(Buchbesprechung mit freundlicher Genehmigung des Borromäusvereins, Bonn; www.borro.de)