Stütze und Fundament der Kirche

Bildbetrachtung zu Giotto:
"Franziskus erscheint Papst Innozenz III. im Traum"
Giotto: Traum Innozenz III. Papst Innozenz III. hatte im Jahre 1209 einen schrecklichen Alptraum. Tags zuvor war Franz von Assisi mit zwölf Gefährten bei ihm gewesen. Er hatte um die Bestätigung seiner Ordensregel gebeten. Der Papst hatte gezaudert. Jetzt sah er des Nachts im Traum, wie die Lateran - Basilika, seine Kathedrale, wankte und einzustürzen drohte. Der Papst litt entsetzlich.

Doch plötzlich erblickte er den zerlumpten Bettler Franziskus. Er trat zwischen die Gemäuer und hielt die Kirche zusammen.
Dem Papst gingen da die Augen auf. Er sah, wie da eine Kirche zusammenstürzte, die immensen politischen Einfluß hatte, im Mittelalter alle Lebensbereiche durchdrang. Aber er konnte auch sehen, auf welchem Fundament die Kirche steht, was sie zusammenhält.

Er sah den heiligen Franziskus, er sah den Christen, in dem das Evangelium lebendige Gestalt angenommen hat, durch den Christus sichtbar wird.

Dieser Traum wird uns immer etwas zu sagen haben. Noch fast 800 Jahre danach.

So ist die fundamentale Frage gestellt:
=>  Worauf kommt es im Leben an?
=>  Was ist der tragende Grund, der die Kirche und das Leben christlich erhält?
Das Evangelium scheint eine klare Antwort zu geben:

"Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt."
(
Matthäus, Kapitel 7)

Das ist einsichtig. Alles andere ist Pharisäertum.

(...) da stoßen wir auf das Fundament des Hauses,  - um im Bild des Evangeliums zu bleiben -  und dieses Fundament ist nichts anderes als der Glaube an Jesus Christus, das persönliche Verhältnis zu Jesus Christus.
Lateranbasilika, Rom
Wenn einer ein persönliches Verhältnis zu Jesus Christus sucht, dann ist er der kluge Mann, der sein Haus auf Felsen baute. Trotz aller Stürme des Lebens steht sein Lebenshaus fest. Das Christentum ist also im Kern keine Lehre und auch keine Moral. Das allein wäre immer noch auf Sand gebaut. Das alleine trägt nicht. Das Christentum ist im Kern ein Du: Jesus Christus, das ist der Fels, auf den man fest bauen kann.
Vielleicht ist dass das Faszinierendste am heiligen Franziskus: Er hat Gott nicht benutzt für seine Zwecke, er hat ihn weder als Dekorationsstück mißbraucht noch als Moralin eingesetzt.

Es geht ihm um nichts anderes als seine Liebe zu seinem Herrn Jesus Christus. Das ist viel wichtiger als die vielen Probleme, von denen so viel die Rede ist. (...)

Vergessen wir nicht den Traum des Innozenz. Er sah seine großartige Kirche stürzen, Franziskus hat sie gehalten, und sonst niemand. Der kleine Mann, der ganz durchsichtig auf Christus war.
Text- und Bildnachweis:
Text: Pater Ambrosius Leidinger OSB
Predigt zum 9. Sonntag im Jahreskreis A: Mt. 7, 21-27
Bild (1): Fresko in der Basilika San Francesco, Assisi. Giotto: "Franziskus erscheint Papst Innozenz III. im Traum"
Bild (2): Lateranbasilika in Rom mit Franziskus-Denkmal (Foto: GSt)


(Wir bedanken uns für die freundliche Überlassung des Textes bei dem Benediktinerkloster Maria Laach und für die Genehmigung des Bildes (1) beim "Sacro Convento" in Assisi)